Initiative für Integration und Toleranz

 Zukunft im Dialog – Werte für ein neues WIR in der Gesellschaft

Das vorliegende Projekt ist auf 24 Monate angelegt und zielt auf eine Öffnung der Aufnahmegesellschaft in ganz Bayern, im städtischen wie im ländlichen Bereich. Der Konzeption des Projekts liegt die Überzeugung zugrunde, dass Integration einen wechselseitigen Prozess beschreibt, der einseitig nicht gelingen kann. Weiterhin setzt gelingende Integration voraus, dass sich nicht nur politische Institutionen und administrativ tätige Behörden dieser Aufgabe widmen, sondern dass sie in der alltäglichen Begegnung von Menschen stattfindet. Die Begegnung auf der zwischenmenschlichen Ebene findet idealerweise auf Augenhöhe statt und ermöglicht gegenseitiges Lernen, Zugehörigkeit und Identifikation. Eine Öffnung unserer Gesellschaft verstehen wir letztendlich vor allem als eine vielfache Öffnung „im Kleinen“, Veränderungen in der Haltung Einzelner: die Bereitschaft zu einem Perspektivenwechsel, einem Fragen nach Gründen und einer Sensibilisierung für Wechselwirkungen statt nach Schuldigen zu suchen. Da eine Veränderung von Haltungen und die Bereitschaft zum Perspektivenwechsel bei den meisten Menschen ohne verlässliche Fakten nicht erfolgt, ist die Vermittlung von Wissen über Migration und Integration in Bayern und Deutschland ein wichtiger Baustein der Projektarbeit. Um die Gesellschaft möglichst in ihrer ganzen Breite und Umfänglichkeit zu erreichen, haben wir für das Projekt drei zentrale “Orte” oder Tätigkeitsfelder gewählt, an denen sich die Gesellschaft in maximaler Breite und Umfänglichkeit spiegelt:
A) der öffentliche Raum
B) Orte der Bildung und
C) die Arbeitswelt.

 Zukunft im Dialog – Werte für ein neues WIR in der Gesellschaft

Methodik: Die methodische Grundlage bildet die Methode des von der Akademie entwickelten Formats “Wertedialog”, s.a. Projektkonzeption Werte.Dialog.Integration. Der Wertedialog ist im Kern ein moderiertes, ergebnisoffenes Gespräch zu einer ethischen oder philosophischen Fragestellung im Zusammenhang mit einem bestimmten Wert.

Inhaltliche Darstellung der Projektarbeit und Meilensteine:
1. Wertedialoge (Umsetzung durch Antragsteller): Während der gesamten Projektlaufzeit ist ein wesentliches Ziel, in den unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern des Projekts (in Bildungsmaßnahmen, in Unternehmen und Wirtschaftsverbänden, an öffentlichen Orten und in den Medien) Wertedialoge mit unterschiedlichen Teilnehmerzahlen (12 bis 120), Themen und Fragestellungen, Veranstaltungsorten, Formaten und vor allem in möglichst heterogenen Gruppen stattfinden zu lassen. So soll monatlich mindestens ein solcher Wertedialog stattfinden und medial begleitet werden. Der Beitrag dieses Formats zur Öffnung der Aufnahmegesellschaft besteht in veränderten Grundhaltungen im Umgang und in der Kommunikation mit anderen Menschen: a) in einer höheren Bereitschaft, sich konstruktiv mit gegensätzlichen Meinungen auseinander zu setzen (Offenheit und Interesse), b) in einem toleranten und respektvollen Umgang mit anderen Standpunkten und Sichtweisen, c) in einem kritischeren und reflektierteren Umgang mit eigenen Standpunkten und Vorprägungen und d) in einer gestiegenen Bereitschaft, Meinungsverschiedenheiten und Konflikte verbal und lösungsorientiert auszutragen. Die Methode des Wertedialogs und der ergebnisoffenen Moderation wird in zwei Zusatzausbildungen an bis zu 30 Multiplikator*innen vermittelt, die ihrerseits Wertedialoge in ihren Regionen und Netzwerken durchführen und in ihrem Arbeitskontext etablieren.

2. Kampagne zu Vielfalt, Integration und Teilhabe zur Öffnung der Gesellschaft (Umsetzung durch Antragsteller und Netzwerkpartner): Das Projektteam arbeitet während der gesamten Projektlaufzeit an einer Kampagne, die Fragestellungen und Themen in die Öffentlichkeit bringt, die zu einer Bewusstheit und einem Perspektivenwechsel beitragen können, wie er weiter oben skizziert wurde. Die visuell/mediale Kampagne wird zunächst multimedial (Plakate, Postkarten, Twitterfeeds, Videoclips, Blogs, Zeitschriftenartikel, Interviews, Bilder, Hashtags etc.) auf allen zur Verfügung stehenden Kanälen und Wegen (Netzwerkpartner, Newsletter, Werbung, Soziale Medien und Videoplattformen, Pressemitteilungen, Homepage) verbreitet. Zentrales Ziel ist die Entwicklung von Schlüsselbotschaften, die im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Öffnung für Migration und Zuwanderung den “Nerv” der Aufnahmegesellschaft treffen und auf breite Wahrnehmung und Unterstützung treffen (viral werden). In einem zweiten Schritt wird die Kampagne greifbar gemacht, indem sie zu Aktionen anregt, in denen sich eine Öffnung der Gesellschaft widerspiegelt. Für Entwicklung und Verbreitung dieser Aktionen arbeiten wir in einem Netzwerk von Partner*innen, mit denen wir teils bereits kooperiert haben, die wir teils aber auch themen- und aktionsbezogen für eine Zusammenarbeit gewinnen möchten. Ein wichtiger Aspekt dieser Aktionen ist es, Menschen ins Gespräch miteinander zu bringen, die gegensätzliche Ansichten zu wichtigen politischen und gesellschaftlichen Fragen haben. Große Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang dem Wertebündnis Bayern und seinen Mitgliedsinstitutionen zu, darunter Stiftungen, Verbände, Kammern, Ministerien etc. Der Antragsteller ist Gründungsmitglied des Wertebündnis Bayern und arbeitet aktuell aktiv im Sprecherrat, dem Leitungsgremium des Bündnisses mit. Darüber hinaus beziehen wir uns in diesem Zusammenhang auf die Arbeit des Netzwerks für politische Bildung an der Universität Augsburg (Umgang mit Stammtischparolen, Initiative für demokratisches Streiten) sowie die Arbeit des “Difficult conversations lab” des Psychologen Prof. Peter Coleman von der Columbia University (konstruktiver Umgang mit Meinungsverschiedenheiten).

3. Schulungskonzepte und -module (Umsetzung durch Antragsteller): Der dritte Schwerpunkt der Projektarbeit liegt in der Entwicklung von Konzepten, Methoden, Inhalten und Materialien für Schulungen und Fortbildungsbausteine zum Thema Vielfalt, Integration, Teilhabe und damit verbundene Werthaltungen. Diese Schulungskonzepte werden im Rahmen des Projekts erprobt und durch Projektmitarbeiter*innen sowie freiberufliche Trainer*innen in die unterschiedlichen Tätigkeitsfelder getragen und dort passgenau mit existierenden Schulungsangeboten verknüpft und an die besonderen Anforderungen der Zielgruppen und Teilnehmerkreise angepasst.

Zentrale Zielsetzung der Schulungskonzepte ist die Ausbildung und Sensibilisierung von Zukunfts-Botschafter*innen für den Bildungsbereich und die Arbeitswelt, die in ihrem direkten Umfeld in Unternehmen und Bildungseinrichtungen für das Themenfeld Vielfalt und Migration sensibilisieren und Veränderungen anstoßen, die bewirken, dass die Institutionen und die dort tätigen Menschen bewusster mit dem Thema sowie damit verbundenen Wertvorstellungen umgehen (Offenheit, Respekt, Toleranz, Engagement…).

Der Antragsteller verfügt über langjährige Erfahrung in der Entwicklung und Konzeption von Schulungs- und Workshop-Angeboten für Erwachsene und Jugendliche, insbesondere in den Bereichen Train-the-Trainer-Ausbildung, Methoden der Moderation und Gesprächsführung, Förderung von personalen und sozialen Kompetenzen sowie Werte- und Demokratiebildung. Weiterhin verfügt der Antragsteller über ein bayernweites Netzwerk an erfahrenen freiberuflichen Trainer*innen und Referent*innen mit langjähriger Erfahrung in der Erwachsenenbildung und Jugendarbeit sowie jeweils eigenen Netzwerken, vornehmlich im Bildungsbereich.


Zeitliche Planung:

ab 01.07.2019:
– Feinplanung des Gesamtprojekts

– Etablierung von Arbeitsprozessen und Projektstrukturen

– Planung und Durchführung von monatlichen Wertedialogen (mindestens 24 Maßnahmen über gesamte Dauer des Projekts)

ab 01.08.2019
– stetige Entwicklung von Inhalten und Konzepten für die visuell/mediale Kampagne  (während der gesamten Dauer des Projekts / mindestens 8 Maßnahmen)

– Gewinnung von Partner*innen und Kanälen für die Umsetzung der visuell/medialen Kampagne

ab 01.11.2019
– Mediale Umsetzung und Streuung der erarbeiteten Inhalte der visuell/medialen Kampagne  (während der gesamten Dauer des Projekts)

– Gewinnung von Partner*innen und gemeinsame Entwicklung und Umsetzung von Aktionen für die Kampagne im öffentlichen Raum (während der gesamten Dauer des Projekts / 12 Maßnahmen)

ab 01.02.2020
-erste Ausbildungsreihe für bis zu 15 Multiplikator*innen für den interkulturellen Wertedialog (4 Fortbildungen)

ab 01.03.2020
-Entwicklung von Schulungskonzepten und Modulen zum Themenfeld „Vielfalt, Integration und Teilhabe“ für den Bildungsbereich und in Unternehmen. (Entwicklung von 6 Schulungsformaten mit 12 Bausteinen)

ab 01.07.2020
– Pilotierung der erarbeiteten Fortbildungsbausteine (6 Fortbildungen)

ab 01.09.2020
– Zweite Ausbildungsreihe für bis zu 15 Multiplikator*innen für den interkulturellen Wertedialog (4 Fortbildungen)

– Konzeption von Train-the-Trainer-Workshops zu den erarbeiteten Fortbildungsbausteinen im Bildungsbereich sowie in Unternehmen

ab 01.01.2021
– Umsetzung der Train-the-Trainer-Workshops zu den Fortbildungsbausteinen (4 Fortbildungen)

– Umsetzung der Workshops durch die ausgebildeten Trainer (12 Fortbildungen)

31.05.2021
Projektende

Zukunft im Dialog – Werte für ein neues WIR in der Gesellschaft

Das Projekt wendet sich ausdrücklich an die Aufnahmegesellschaft, d.h. Bürger*innen aller Generationen, jeglicher Herkunft und religiöser Zugehörigkeiten, Ausbildungsstände und Berufsgruppen in Bayern, sowie insbesondere an diejenigen, die einer “Öffnung der Gesellschaft” kritisch gegenüber stehen und sich in der Regel nicht am öffentlichen Leben beteiligen. In der Konsequenz richtet es sich ebenso an diejenigen, die in unserer Gesellschaft ankommen möchten, insbesondere auch an Menschen in den neuen AnkER-Zentren.

Das Projekt will zur anhaltenden Reflexion über aktuelle Prozesse der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Veränderung (auch von Werten!) auffordern, die sich unter anderem auch durch Zuwanderung ergeben und insgesamt Integrationsprozesse vor allem über Kommunikation (individuelle Auseinandersetzung und Begegnung über kulturelle und soziale Grenzen und Unterschiede hinweg) nachhaltig unterstützen und fördern. Es möchte die Neugier aufeinander und auf die Zukunft unserer Gesellschaft (wieder) wecken und der schleichenden Resignation und Anonymisierung durch bürokratische Hürden oder öffentliche Stimmungsmache etwas entgegensetzen: eine neue Normalität des aktiven Miteinander. Es sollen unbewusste Vorgänge – Wertungen, Manipulation, Meinungsbildung, Vorurteile, Veränderungsprozesse – in unserer Gesellschaft sichtbar und bewusst gemacht und diskutiert werden, so dass die Menschen selbstbewusste Standpunkte und Haltungen entwickeln und sie mit anderen diskutieren und auch tatsächlich leben.

Dazu konzentriert sich das Projekt wie oben bereits erwähnt auf drei Orte, an denen sich im Grunde alle Mitglieder der Gesellschaft treffen, also potenziell jeder den Aktivitäten des Projekts begegnen kann:
A) der öffentliche Raum
B) Orte der Bildung
C) die Arbeitswelt
und dort auf möglichst heterogene Gruppen und Teilnehmerkreise.

Zu A) Den öffentlichen Raum verstehen wir sowohl medial (regionale und überregionale Zeitungen, Presseagenturen, lokale Anzeigenblätter, Informationsblätter von Kommunen, Hörfunk und Fernsehen, Soziale Netzwerke, Newsletter von Partner*innen, Videoplattformen, Werbung im ÖPNV etc.) als auch in der öffentlich stattfindenden Begegnung in kulturellen Einrichtungen, auf Dorf- und Marktplätzen, auf öffentlichen Veranstaltungen von Kommunen oder Vereinen.

Zu B) Auch die “Orte der Bildung” sind bewusst breit verstanden. Sie reichen von Kindergärten (Zielgruppe Eltern und Pädagog*innen) und Schulen (speziell auch Berufsschulen) bis hin zu Teilnehmer*innen an Weiterbildungen, Zusatzausbildungen und beruflicher Qualifikation sowie VHS-Kursen. Als Träger in der (Weiter)Bildung verfügt der Antragsteller über langjährige Erfahrung und gute Kontakte zu anderen Akteuren und Einrichtungen in diesem Bereich. Die gfi gGmbH allein ist bayernweit an 170 Grundschulen und über 200 weiterführenden Schulen in der Schülerbetreuung aktiv.

Zu C) Auch in Unternehmen, in der bayerischen Wirtschaft, ist der gesamte Querschnitt der Bevölkerung vertreten, es existiert somit eine hohe Pluralität an Prägungen, Sichtweisen und Perspektiven, Werten und Lebenszielen sowie grundsätzlich ein hohes Interesse an den wirtschaftlichen Auswirkungen von Zuwanderung. Eine Auseinandersetzung mit den Folgen und Chancen der dadurch bedingten gesellschaftlichen Veränderungen wird auch hier in alle Teile unserer Gesellschaft gespiegelt. Der Antragsteller verfügt über die Muttergesellschaft, das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft und die Verbindungen zu Unternehmer- und Wirtschaftsverbänden und Kammern im Wertebündnis über einen privilegierten Zugang zu diesem Tätigkeitsfeld.

Zukunft im Dialog – Werte für ein neues WIR in der Gesellschaft

Das Projekt ist grundsätzlich so angelegt, dass es über die Projektdauer hinauswirkt und die Projektergebnisse langfristig zur Verfügung stehen bzw. weiterverbreitet werden. Mit den folgenden Instrumenten möchten wir dies sicherstellen und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Projektmaßnahmen auch auf andere Bundesländer übertragbar sind

1. Multiplikatoren für den Wertedialog schulen und einsetzen:

Geplant sind mindestens zwei 8-tägige Zusatzausbildungen für bis zu 30 Multiplikator*innen; Zielgruppen können sein Mitarbeiter*innen von Verbänden und Kammern, Migrantenbeiräten, Trägern der politischen Bildung, Trägern mit Integrationsmaßnahmen etc. Es wird darauf geachtet, dass mehrere Muttersprachen vertreten und eine regionale Verteilung in ganz Bayern und kulturelle Heterogenität gegeben sind.

2. Auswahl der Partner *innen für Aktionen im Rahmen der Kampagne:

Für alle im Rahmen der Kampagne für den öffentlichen Raum entwickelten Aktionen arbeiten wir mit Partner*innen zusammen, die in der Lage und willens sind, sich die Aktion “zu eigen” zu machen, sie breit zu streuen und längerfristig weiter zu tragen (z.B. Stiftungen, Verbände, Lehrstühle an Universitäten, Bildungsträger).

3. Dokumentieren und Verbreiten von Methoden, Aktionen und Konzepten

Ein Schwerpunkt des Projekts ist die Entwicklung von Wegen und Aktionen zur Ansprache der Öffentlichkeit, von Schulungskonzeptionen und -materialien sowie von Themen und Fragestellungen für Wertedialoge. Die Dokumentation der Ergebnisse dieser Entwicklungsarbeit erfolgt in unterschiedlicher Weise: 1) projektbegleitend und offen zugänglich auf einem Internetportal, d.h. schriftlich, bebildert und ggf. in Form von Videotutorials. 2) nach Abschluss des Projekts in einer Handreichung, die in digitaler und gedruckter Form bereitgestellt wird.

4. Verbreitung von Schulungskonzepten

Die erarbeiteten Bausteine, Methoden und Übungen für Schulungen im Bildungsbereich und in Unternehmen werden schriftlich und in Form von Train-the-Trainer-Workshops an Erwachsenenbildner und Multiplikator*innen in diesem Bereich weitergegeben, damit sie auch über das Projekt hinaus in Schulungen eingesetzt werden. Weiterhin fließen sie je nach Möglichkeit dauerhaft in die Arbeit des Antragstellers ein.

 Zukunft im Dialog – Werte für ein neues WIR in der Gesellschaft

gfi gGmbH
Akademie für Philosophische Bildung
und WerteDialog
Baierbrunner Straße 27
81379 München

akademie@philosophische-bildung.de
www.philosophische-bildung.de