Ziel des Vorhabens ist es, mit Blick auf die sehr heterogene Gruppe Jugendlicher, Radikalisierung sowohl hinsichtlich religiös motivierter Radikalisierung als auch bezüglich Links- und Rechtsextremismus gar nicht erst entstehen zu lassen. Über die Auseinandersetzung mit Radikalisierungsfaktoren sowie eine Stärkung von demokratischen Werthaltungen und einem Bewusstsein für Solidarität werden Jugendliche in ihrer Ambiguitätstoleranz gestärkt. Somit wird die Wahrscheinlichkeit verringert bzw. minimiert, dass sie sich durch extremistische Botschaften angesprochen fühlen, sich einer extremistischen Gruppierung anschließen oder sich selbst bzw. andere gefährden.

Mit bedarfsgerechten Projektformaten stehen Jugendliche zwischen 13 und 22 Jahren gegen Radikalisierung und für das Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft ein. Dabei reflektieren sie in einem ersten Schritt ihr eigenes Online-Handeln und nehmen in den Blick, welche Sicht auf die Welt bzw. Gesellschaft ihnen in ihren liebsten Social-Media-Kanälen widergespiegelt wird und warum dem so ist (Filterblase, Echokammer, Fake News etc.).

In diesem Kontext setzen sie sich intensiv mit Anwerbestrategien extremistischer Gruppierungen auseinander, erhalten entsprechende Hintergrundinformationen, um diese erkennen und einordnen zu können, warum sich junge Menschen immer wieder von entsprechenden Ansprachen angesprochen fühlen. Darüber hinaus haben die Teilnehmenden insbesondere auch die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mit extremistischen Inhalten im Netz zu teilen.

Das Miteinander verschiedener kulturell und religiös geprägter Lebensstile sowie Werthaltungen können dabei thematisiert und reflektiert werden.

Das Projekt “kampagnenstark” richtet sich an Jugendliche zwischen 13 und 22 Jahren.

Modul 1: Qualifizierung und Vernetzung von Trainer*innen (online und offline)

Ein bayernweites Netzwerk an Trainer*innen ist Teil von kampagnenstark (siehe auch kampagnenstark.de/team). Bei den Trainer*innen handelt es sich um erfahrene Personen aus dem Bereich der politischen Bildung und/oder der medienpädagogischen Praxisarbeit. Um flächendeckend, zielgruppenspezifisch und nachhaltig in Bayern arbeiten zu können, sind für das Vorhaben jeweils mindestens zwei Trainer*innen pro Bezirk zuständig. Eine Auseinandersetzung mit Risikofaktoren von Radikalisierung sowie Anwerbestrategien im Bereich der religiös motivierten Radikalisierung aber auch von links- und rechtsextremistischen Gruppierungen sind Teil der kontinuierlichen inhaltlichen Qualifizierung und Vernetzung. Ein besonderes Augenmerk wird darüber hinaus auf die Rolle von Social-Media-Angeboten in diesen Zusammenhängen gelegt. Ebenso wichtig sind der Austausch zur methodischen Umsetzung in den einzelnen Projekten und die fachliche Beratung durch das Projektteam. Die Trainer*innen vernetzen sich 2021 in einem zweitägigen Treffen, um methodische Ansätze und inhaltliche Aspekte zu diskutieren und sich weiterzubilden. Daneben werden weitere Online-Treffen mit dem Ziel der Qualitätssicherung initiiert.

Modul 2: Medienprojekte mit Jugendlichen

Jährlich werden pro Bezirk mindestens zwei medienpädagogische Aktivitäten mit Kampagnencharakter im Umfang von drei bis fünf Tagen realisiert. Dabei werden Jugendliche zwischen 13 und 22 Jahren adressiert. Die Medienprojekte können online, offline oder verschränkt stattfinden, somit wird eine größtmögliche Flexibilität in der Projektdurchführung gewährleistet.

Wünschenswert sind insbesondere Aktivitäten im außerschulischen Kontext, die auch gefährdungsgeneigte Jugendliche ansprechen. Gemeinsam ist allen Aktivitäten, dass sich die Jugendlichen in medienpädagogischen Settings mit Anwerbestrategien extremistischer Gruppierungen und eigenen entsprechenden Erfahrungen (on- und offline) auseinandersetzen. Darüber hinaus ist es stets das Ziel, Außenstehende – Mitschüler*innen, Eltern, Vereinsmitglieder, Passant*innen u.v.m. – über entsprechende Diskursformate in die inhaltliche Auseinandersetzung mit einzubeziehen.

Dafür werden neue Methoden für die Primärprävention von Radikalisierung entwickelt und im Rahmen der Projekte erprobt. Die aktive Arbeit mit Medien und Medienprodukten ist dabei ein wesentlicher Bestandteil der Aktivitäten mit Kampagnencharakter. Ein besonderes Augenmerk wird deswegen auf die niederschwellige Arbeit mit Apps und mobilen Endgeräten gelegt. Die Wahl des Mediums (Audio, Video, Bild etc.) ist frei. 2021 wird der Fokus verstärkt auf Kampagnen gelegt, die im Netz und insbesondere über Social-Media-Angebote verbreitet werden.

Modul 3: Tagung für Fachkräfte und Jugendliche (offline, hybrid oder online)

Die Erfahrungen aus dem modellhaften Arbeiten werden Ende 2021 im Rahmen einer Fachtagung für Fachkräfte aus der schulischen und außerschulischen Jugendarbeit aufbereitet. Die Veranstaltung wird darüber hinaus für Jugendliche geöffnet. Anregungen für die Arbeit von pädagogischen Fachkräften in Bayern werden somit gegeben und zudem ein generationenübergreifender Austausch angeregt. Eine inhaltliche Schwerpunktsetzung erfolgt im Verlauf des Förderjahres in Absprache mit dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, der Stiftung Wertebündnis Bayern und den beteiligten Partnern. Ebenso wird im Verlauf des Jahres gemeinsam festgelegt, ob die Tagung online, offline oder hybrid (mit einer Mischung aus Online- und Offline-Elementen) stattfinden soll.

Modul 4: Arbeitshilfe für Fachkräfte (Schwerpunkt Social Media)

Eine Arbeitshilfe für die Umsetzung von Online-Projekten wird 2021 veröffentlicht. Um auch unter Corona bedingten Einschränkungen mit Jugendlichen arbeiten zu können, werden Erfahrungen aus der Arbeit in Online-Projekten für Fachkräfte aus ganz Bayern aufbereitet. Ein inhaltlicher Schwerpunkt wird dabei auf die Rolle von Social-Media-Angeboten für die Anwerbestrategien extremistischer Gruppierungen gelegt.

JFF – Institut für Medienpädagogik des JFF – Jugend Film Fernsehen e.V.
Arnulfstr. 205
80634 München
jff@jff.de
https://www.jff.de/

Die Qualität der einzelnen medienpädagogischen Aktivitäten mit Kampagnencharakter wird in einer gemeinsamen Feedbackmethode gesichert. So haben die Trainer*innen die Möglichkeit, im Rahmen ihrer Vernetzungstreffen einen fundierten und differenzierten Blick auf verschiedene Gelingens-Faktoren im Projektverlauf zu werfen. Darüber hinaus stehen die beteiligten Trainer*innen im regelmäßigen Austausch und werden bedarfsgerecht weitergebildet. Ein Projektbeirat gibt dem durchführenden Team Feedback und inhaltliche Anregungen für den Gesamtprozess.

Wesentlich ist es, eine Struktur kompetenter Fachkräfte im Kontext von kampagnenstark weiter auszubauen, zu festigen und zu erweitern. Ziel ist es, entsprechende Kompetenzen in den Bezirken zu etablieren und bezirksübergreifende Vernetzungsstrukturen so zu festigen, dass sie auch nach der Projektlaufzeit tragfähig sind. Über den Online-Auftritt des Projekts werden überdies nicht nur die Medienprodukte aus den Projekten zur Verfügung gestellt, sondern insbesondere auch deren Entstehungsprozess dokumentiert. Eine angemessene Dokumentation über die Website und die Arbeitshilfen sollen interessierten Fachkräften über die Projektlaufzeit hinaus Anhaltspunkte für deren Arbeit mit Jugendlichen geben.