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Die Initiative für Integration und Toleranz ist ein Vorhaben des Wertebündnis Bayern. Die Stiftung Wertebündnis Bayern hat von der Bayerischen Staatsregierung zweckgebundene Sondermittel erhalten und einen Fonds eingerichtet, aus dem sie geeignete Wertebündnisprojekte im Themenbereich Integration und Toleranz fördert. Die fachliche Beratung und wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch Prof. Dr. Mathias Rohe, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung, Leiter des Erlanger Zentrums für Islam & Recht in Europa.

Problemstellung

Wir leben in einer heterogener werdenden und durch vielfältige Veränderungen geprägten Gesellschaft. Kulturelle, weltanschauliche, religiöse und soziale Vielfalt prägt zunehmend unser Zusammenleben. Diese Vielfalt kann eine Bereicherung darstellen, bedeutet aber auch Herausforderungen. Durch die große Zahl von geflüchteten oder vertriebenen Menschen, die aktuell aufgrund des Staatenzerfalls im Nahen Osten, des Kriegsgeschehens in Syrien und im Irak und der Ausdehnung des politisierten und gewalttätigen muslimischen Extremismus (Taliban, Al Qaida, IS, etc.) in Deutschland Zuflucht suchen, wird diese Vielfalt nochmals verstärkt. Weltweit sind mehr als 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Klimawandel, Nahrungsmittel- und Energieknappheit sowie als ausweglos empfundene politische, wirtschaftliche und soziale Verhältnisse führen zu Wanderungsbewegungen und zunehmend heterogenen Gesellschaften.

Häufig besteht die Befürchtung, dass mit unterschiedlichen Weltanschauungen einhergehende unterschiedliche Wertvorstellungen oder andere Wertepriorisierungen zu Wertekonflikten, Spannungen und Dilemmata innerhalb unserer Gesellschaft führen könnten. Unsere offene, freie, demokratische Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie – auf der Basis von Grundgesetz und Bayerischer Verfassung – die Vielfalt von Lebenswelten und Wertvorstellungen zulässt und als Ausgangspunkt demokratischer Verständigung anerkennt. Die Grundlage für ein gelingendes Zusammenleben ist dabei ein gemeinsames Verständnis über Grundwerte des friedlichen, respektvollen, demokratischen Miteinanders. Deshalb ist es sowohl für diejenigen, die schon lange in Bayern leben, als auch für diejenigen, die neu aus anderen Ländern zu uns kommen, wichtig, einerseits Spannungen aushalten zu können, andererseits sich aber auch der eigenen Wertebasis bewusst zu sein und unser freiheitlich-demokratisches Modell des Zusammenlebens zu vertreten.

Zielsetzung

Mit seinen Projekten im Rahmen der Initiative für Integration und Toleranz arbeitet das Wertebündnis Bayern daran, Begegnungen auf Augenhöhe zwischen jungen Menschen egal welcher Herkunft zu ermöglichen. Ziel ist es, offen auf junge Migranten zuzugehen, sich für sie und ihre Lebensgeschichte und Kultur zu interessieren und ihnen gleichzeitig möglichst vielfältige Zugangsmöglichkeiten zur hiesigen Gesellschaft zu eröffnen. In einem Dialogprozess soll zunächst gegenseitiges Kennenlernen und Verstehen gefördert werden. Potentielle Vorurteile werden in einem von Respekt und Vertrauen geprägten Klima abgebaut, Toleranz wird gefördert. Unterschiedliche Weltanschauungen, Wertvorstellungen oder Gepflogenheiten werden thematisiert und in ihren Potentialen wahrgenommen. Die jungen Menschen erkennen, dass unterschiedliche kulturelle Prägungen im Alltag auch zu Konflikten führen können und erarbeiten friedliche, von Respekt geprägte, demokratische Konfliktlösungsstrategien.

Zunächst stehen möglichst niedrigschwellige Integrationsangebote im Zentrum: Gemeinsames Erleben und Gestalten von Musik, Sport, Kunst und Kultur funktioniert auch ohne bzw. mit geringen Sprachkenntnisse. Damit das Integrationsziel erreicht wird, richten sich die Projekte an zugewanderte und einheimische Kinder und Jugendliche gleichermaßen. Integrationswille einerseits und Offenheit und Toleranz andererseits gehen Hand in Hand. Wer gemeinsam musiziert, sich künstlerisch betätigt oder Sport treibt, entwickelt schnell eine Basis für Verständigung. Sprachliche Kommunikation und Wertebildung bauen auf dieser ersten Verständigungsebene auf und schließen sich an.

Grundsätzliche Werthaltungen

Die Arbeit des Wertebündnis Bayern fußt auf dem Bündnispapier. Grundlage dafür waren intensive Diskussionen vieler Partner auf der Basis des Grundgesetzes und der Bayerischen Verfassung.

„Das Bündnis gründet in der Überzeugung, dass sich Wertvorstellungen bei aller Unterschiedlichkeit immer an der Würde des Menschen messen lassen müssen. Bei aller Unterschiedlichkeit der Wertvorstellungen sind nicht verhandelbar: die Menschenrechte als Grundlage von Gemeinschaft, Frieden und Gerechtigkeit, die Demokratie, die Rechtsstaatlichkeit und die Gleichheit vor dem Gesetz, die Freiheit der Person und die Achtung der Rechte anderer, das Recht auf Leben und auf körperliche Unversehrtheit, das Recht auf Bildung und auf gesellschaftliche Teilhabe, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Fürsorge für Familie und Kinder als Auftrag an die Gemeinschaft, die Freiheit des Glaubens, des Gewissens, des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses und der Religionsausübung und die Freiheit der Meinungsäußerung, der Presse, der Kunst und der Wissenschaft.“ (Bündnispapier des Wertebündnis Bayern, S. 3)

Eine stetige Selbstvergewisserung über diese Werte ist elementar für eine gelingende Integration. Nur wenn unsere Gesellschaft – so pluralistisch sie auch jetzt bereits ist –, diesen demokratisch entwickelten Kern an grundlegenden Normen und Werten überzeugend vertritt und lebt, kann sie souverän mit zunehmender Vielfalt und Heterogenität umgehen und reagiert nicht mit Angst und Ablehnung auf Veränderung, sondern hat Platz für Andere. Entscheidend ist der Blick auf das Individuum und seine Haltungen: Statt einer „Wir und die anderen“-Orientierung lassen sich so gemeinsame Interessen und Werte mobilisieren. Die Ausrichtung auf Migranten und Einheimische gleichermaßen macht deutlich, dass es nicht um einseitiges Geben und Hilfe-Empfangen geht, sondern um die Gestaltung des Miteinanders in den genannten Rahmenbedingungen (Einheit in Vielfalt). Dazu zählt auch der Verzicht auf Assimilierung und (Selbst-)Ausgrenzung.

Integration

In der Migrationsforschung und der sozialpsychologischen Akkulturationsforschung wird Akkulturation verstanden als die Prozesse, die aus dem Aufeinandertreffen von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen resultieren. Dabei lassen sich vier Akkulturationsstrategien unterscheiden, je nachdem, ob die Minderheitengruppe die eigene Kultur beibehalten will/soll oder nicht und ob irgendeine Form des Kontakts zwischen Mehrheit und Minderheit bestehen soll oder nicht:

  • Beibehaltung der eigenen Kultur mit Kontakt zur Mehrheit: Integration
  • Beibehaltung der eigenen Kultur ohne Kontakt zur Mehrheit: Segregation
  • Aufgabe der eigenen Kultur mit Kontakt zur Mehrheit: Assimilation
  • Aufgabe der eigenen Kultur ohne Kontakt zur Mehrheit: Marginalisierung, Exklusion

Das Wertebündnis Bayern setzt mit seinen Projekten klar auf Integration. Wir verstehen Integration als Ausbildung gemeinsamer Werte mit der Einbeziehung von Gruppierungen, die zunächst andere Werthaltungen vertreten. Integration hebt den Zustand der Exklusion und der Segregation auf und beschreibt einen dynamischen, lange andauernden und sehr differenzierten Prozess des Zusammenfügens und Zusammenwachsens.

„Integration ist ein langfristiger Prozess. Ihr Ziel ist es, alle Menschen, die dauerhaft und rechtmäßig in Deutschland leben in die Gesellschaft einzubeziehen. Zuwanderern soll eine umfassende und gleichberechtigte Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen ermöglicht werden. Sie stehen dafür in der Pflicht, Deutsch zu lernen sowie die Verfassung und die Gesetze zu kennen, zu respektieren und zu befolgen.“ (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge)

Auf keinen Fall kann es dabei um Zwangsassimilation oder Assimilationsdruck gehen. Assimilation hieße, dass die Zugewanderten ihre eigenständigen Prägungen aufgeben und sich von ihren kulturellen Wurzeln und ihrer Identität lösen würden. Das wäre kontraproduktiv, denn es würde zu Entwurzelung oder zu bewusster Selbstdistanzierung führen und schlimmstenfalls den Nährboden für Radikalisierung bereiten.

Das Wertebündnis Bayern trägt dazu bei, der gesamten Bevölkerung immer wieder die gemeinsamen Grundlagen unserer freiheitlichen Demokratie und unseres Zusammenlebens auf der Grundlage der Menschenrechte näher zu bringen.

Organisationsstruktur

Die Gesamtkoordination der einzelnen Projekte innerhalb der Initiative für Integration und Toleranz übernimmt die Stiftung Wertebündnis Bayern. Dazu gehören die Dokumentation der Ergebnisse, die wissenschaftliche Evaluation sowie die Öffentlichkeitsarbeit für die Gesamtinitiative. Die Stiftung regt auch einen Wertediskurs zum Themenbereich Integration an und richtet Angebote an die beteiligten Projektpartner, an das Wertebündnis als Ganzes und an die Öffentlichkeit.

Die Projektträger der einzelnen Projekte zeichnen verantwortlich für die Konzeption, Durchführung, finanzielle Abwicklung und nachhaltige Verankerung der Projekte. Ebenso betreiben sie die Öffentlichkeitsarbeit des Projekts vor Ort. Sie agieren auf der Grundlage des Projektleitfadens des Wertebündnis Bayern.

Um den fachlich-inhaltlichen und den organisatorisch notwendigen Informationsaustausch zwischen den einzelnen Projektträgern bzw. -partnern und der Stiftung als Gesamtkoordinatorin zu gewährleisten, werden regelmäßige Sitzungen und geeignete Veranstaltungen geplant und teilnehmerzentriert durchgeführt.

Die Initiative für Integration und Toleranz verteilt ihre Projektstandorte ausgewogen auf ganz Bayern.

Projektphasen und zeitlicher Verlauf

Die projektgebundenen Sondermittel wurden der Stiftung Wertebündnis Bayern im Oktober 2015 zugesagt. Das im Sprecherrat und im Runden Tisch Integration ausgearbeitete Grundkonzept wurde dem Plenum bei der Wertebündnissitzung am 29. Februar 2016 vorgestellt. Bei der Wertebündnissitzung am 5. Juli werden dem Plenum konkrete Einzelprojekte vorgestellt. Als konkrete Projektphase wird zunächst der Zeitraum 1. September 2016 bis 31. August 2018 definiert.

Je nach finanzieller Situation der Stiftung und Bedarf an weiteren Integrationsprojekten bzw. einer Ausweitung der begonnenen Projekte kann der Zeitraum für die Gesamtinitiative ausgeweitet werden.

Nachhaltigkeit

Ziel ist es, Gelingensfaktoren für Integrationsprojekte herauszufiltern und die Projekte sowie die dafür notwendigen Voraussetzungen so präzise zu beschreiben, dass sie auf andere Standorte in ganz Bayern übertragen werden können. Zur Sicherung der Nachhaltigkeit werden die Ergebnisse aus den Einzelprojekten gesammelt und von der Stiftung Wertebündnis Bayern aufbereitet. Evaluationsergebnisse, Projektberichte und Erkenntnisse aus dem themenbezogenen Wertedialog werden auf der Homepage der Stiftung Wertebündnis Bayern veröffentlicht.

Projektpartner

  • Akademie Kinder philosophieren
  • Arbeiterwohlfahrt Landesverband Bayern
  • Arbeitsgemeinschaft bayerischer Lehrerverbände
  • Arbeitsgemeinschaft der Elternverbände Bayerischer Kindertageseinrichtungen
  • Bayerische Philharmonie
  • Bayerische Staatskanzlei
  • Bayerische Trachtenjugend
  • Bayerischer Bezirketag
  • Bayerischer Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA
  • Bayerischer Jugendring KdöR
  • Bayerischer Landessportverband
  • Bayerischer Landtag
  • Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband
  • Bayerischer Musikrat
  • Bayerischer Philologenverband
  • Bayerischer Realschullehrerverband
  • Bayerischer Schulleitungsverband
  • Bayerischer Volkshochschulverband
  • Bayerisches Bündnis für Toleranz – Demokratie und Menschenwürde schützen
  • Bayerisches Rotes Kreuz
  • Bayerisches Schullandheimwerk
  • Bayerisches Staatsministerium der Justiz
  • Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst
  • Bayernbund
  • Berufsverband Bildender Künstler – Landesverband Bayern
  • BMW Stiftung Herbert Quandt
  • Bund der Vertriebenen Landesverband Bayern
  • Diakonie Bayern
  • Distrikthilfswerke der bayerischen Lions Clubs
  • European Union of Music Competitions for Youth
  • Eugen-Biser-Stiftung
  • Europäische Akademie Bayern
  • Förderverein Bayerische Sprache und Dialekte
  • Freie Wohlfahrtspflege Landesarbeitsgemeinschaft Bayern
  • Interdisziplinäres Zentrum für Islamische Religionslehre
  • Internationale Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation
  • Islamische Jugend in Bayern
  • Jeunesses Musicales
  • JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis
  • Joblinge
  • Katholische Erziehergemeinschaft in Bayern
  • Kester-Haeusler-Stiftung
  • klasse.im.puls
  • Landes-Caritasverband Bayern
  • Landeselternverband Bayerischer Realschulen
  • LandesElternVereinigung der Fachoberschulen Bayerns
  •  Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern
  • Landeskommando Bayern
  • Landesmediendienste Bayern
  • Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
  • Landesschülerrat
  • Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern
  • Landesvereinigung Kulturelle Bildung Bayern
  • Montessori Landesverband Bayern
  • Museumspädagogisches Zentrum
  • Netzwerk Politische Bildung
  • Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Bayern
  • ProjectTogether
  • Rock your Life!
  • Sozialdienst katholischer Frauen Landesverband Bayern
  • Sparkassenverband Bayern
  • Special Olympics Bayern
  • Stiftung Otto Eckart
  • Stiftung Schneekristalle
  • Verband Bayerischer Musik- und Singschulen
  • VIA Bayern – Verband für Interkulturelle Arbeit